12. Juli 2022

Hält die positive Serie gegen Spanien?

Was war das für eine Gala der Engländerinnen im Spiel gegen Norwegen. 8:0 ist eine echte Ansage, derzeit gibt es in Europa wohl keinen besseren Sturm als den mit Ellen White und Beth Mead. Gegen diese Mannschaft wird niemand gerne spielen wollen, erst recht nicht bereits im Viertelfinale. Doch genau das droht den DFB-Frauen, wenn sie nicht Gruppensieger werden. Als Zweiter ginge es dann gegen Gastgeber England.

Deshalb ist das heutige Duell gegen Spanien (21 Uhr, ARD) von ganz großer Bedeutung. Ein Sieg würde den Gruppensieg bedeuten, bei einem Unentschieden würde es für das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg um einen möglichst hohen Erfolg gegen Finnland gehen, und Spanien dürfte nicht so deutlich gegen Dänemark gewinnen.

Die bisherige Länderspielbilanz ist überaus positiv für Deutschland. Gegen Spanien gab es in sechs Duellen drei Siege, drei Unentschieden und noch keine Niederlage. Das letzte Aufeinandertreffen war im Februar beim 1:1 im Rahmen des Arnold-Clark-Cups in England. Beide Torschützinnen dieser Partie werden aber nicht dabei sein. Alexia Putellas fällt wegen eines Kreuzbandrisses aus, Lea Schüller wurde am Montag positiv mit Covid-19 getestet.

Michael Rappe

Lea Schüller köpft das 2:0 gegen Dänemark. Gegen Spanien fällt sie leider aus. Foto: Imago/Gribaudi/ImagePhoto

Kein „Schüllern“ gegen Spanien

Das ist ein Schock. Deutschlands beste Mittelstürmerin fällt im Topspiel gegen Spanien aus. Die Münchnerin Lea Schüller wurde am Montagmittag positiv auf Covid-19 getestet und isoliert. Nach Angaben der Bundestrainerin geht es ihr gut.

Hier eine Story über die 24-Jährige, die in die Fußstapfen großer deutscher Torjägerinnen treten könnte:

Birgit Prinz, Heidi Mohr, Inka Grings oder Celia Sasic – Deutschland hatte in der erst 40-jährigen Länderspielgeschichte seit 1982 immer große Torjägerinnen. Bei der letzten EM 2017 in den Niederlanden fehlte eine solche Torjägerin, eine der Ursachen für das enttäuschende Aus im Viertelfinale gegen Dänemark (1:2). Doch nun schickt sich Lea Schüller an, in die Fußstapfen ihrer großen Vorgängerinnen zu treten. Die 24-jährige Münchnerin wurde soeben mit 16 Treffern Bundesliga-Torschützenkönigin und hat in 167 Bundesligaspielen beeindruckende 94 Tore erzielt. In ihren 39 Länderspielen sind es auch bereits 25 Tore. Gleich zweimal gelang ihr bereits ein Viererpack. Im April 2018 erzielte Schüller alle Tore beim 4:0 gegen Tschechien, 2021 wiederholte sie das beim 5:1 gegen Serbien. Dabei drehte sie in der zweiten Halbzeit binnen 28 Minuten einen 0:1-Rückstand in eine 4:1-Führung um. „Lea hat diese Boxqualität“, lobte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg damals. „Sie hat im letzten dreiviertel Jahr viel in ihr eigenes Können investiert und an ihren Schwächen gearbeitet.“

Wenn Schüller mal wieder einen Ball eingenetzt hat, dann ist schnell von „es schüllert“ die Rede. In den Sozialen Medien gibt es in Anlehnung an Bayern-Idol Thomas Müller den Hashtag #esSchüllert#. „Ich mag diesen Hashtag. Es ist eine Ehre, auf diese Weise mit jemandem wie ihm verglichen zu werden“, sagt der leidenschaftliche Fan von Borussia Dortmund und Marco Reus dazu.

Lea Schüller stammt aus dem schier unerschöpflichen Talentreservoir der SGS Essen. Im deutschen EM-Kader haben auch Linda Dallmann, Lena Oberdorf, Sara Doorsoun, Marina Hegering und Nicole Anyomi ihre Karriere bei der SGS begonnen oder dort den Durchbruch geschafft. 2004 wurde Schüller im Frankreich-Urlaub durch die Männer-EM mit dem Fußball-Bazillus infiziert. Beim Hülser SV in Krefeld begann sie zu kicken und ihr außergewöhnliches Talent wurde schnell sichtbar. 2012 wechselte sie zur SGS Essen und erzielte noch als B-Juniorin im Alter von 16 Jahren ihre ersten beiden Bundesligatore. Mit den Essenerinnen erreichte sie zweimal das DFB-Pokalfinale und erzielte 2020 gegen Wolfsburg (2:4 nach Elfmeterschießen) nach zwölf Sekunden das schnellste Tor der Pokalgeschichte. 2020 wechselte sie zum FC Bayern, mit dem sie ein Jahr später Meister wurde.

Den hier und da geäußerten Vorwurf, dass sie international gegen starke Gegner nicht treffen würde, widerlegte Schüller im Februar 2022 beim Arnold-Clark-Cup in England. Gegen Spanien schoss sie kurz vor Schluss den 1:1-Ausgleich. Wieder einmal stand sie da, wo eine Torjägerin eben stehen muss. Und wenn es mal nicht so läuft, dann kann sie sich profunden Rat bei der Teampsychologin holen. Diese heißt Birgit Prinz und ist mit 128 Toren in 214 Länderspielen noch immer Deutschlands Rekordtorschützin…
Lea Schüller absolviert ein Fernstudium Wirtschaftsingenieurwesen und ist mit der österreichischen Sportseglerin Lara Vadlau, einer mehrfachen Welt- und Europameisterin in der 470er Klasse, liiert.

Michael Rappe

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

RSS
Mail
Instagram
P