27. Februar 2023

Michaela Specht: „Es war wie nach Hause kommen“ 

Michaela Specht ist wieder da. Und mit ihr ist auch die defensive Stabilität im Team der TSG Hoffenheim wieder da. Im Sommer 2022 war sie nach sieben Jahren im Kraichgau zum spanischen Erstligisten Real San Sebastian gewechselt, in der Winterpause kehrte sie zum Bundesligisten in den Kraichgau zurück. Über ihre Erfahrungen im spanischen Fußball, den DFB-Pokal-Viertelfinal-Schlager am Dienstagabend (20.30 Uhr, live auf Sky) gegen Bayern München, die Zielsetzungen in der Bundesliga und ihren Spagat zwischen Studium und Fußball sprach die 26-jährige Innenverteidigerin mit FiDo-Chefredakteur Michael Rappe.

FiDo: Michaela Specht, wie blicken Sie auf Ihr Spanien-Abenteuer zurück? Hat es Ihnen im Baskenland nicht gefallen?

Michaela Specht: Doch, das halbe Jahr war für mich als Person sehr wertvoll. Ich habe vorher kaum Spanisch gesprochen, das war nicht einfach. Mit Englisch kommt man nicht weit in Spanien. Ich habe zunächst in einer WG mit einer Kolumbianerin, einer Spanierin und einer Serbin gewohnt, später dann alleine. Anfangs habe ich viel gespielt, so auch in der Champions-League-Qualifikation gegen Bayern. Aber in Spanien wird viel auf Kunstrasen trainiert und auch gespielt, das führte bei mir zu Verletzungen. Der Kontakt nach Hoffenheim ist nie abgerissen, und eine mögliche Rückkehr wurde immer konkreter. Nach zwei, drei Wochen Nachdenken war alles perfekt. San Sebastian ist mir beim Ausstieg aus dem Vertrag bis 2024 sehr entgegen gekommen.

FiDo: Was sind die Unterschiede zwischen dem deutschen und spanischen Frauenfußball?

Specht: In Spanien wird mehr Wert auf die individuelle Qualität gelegt. Da ist mehr Kreativität gefragt, außerdem wird viel Wert auf die Technik gelegt. Wir in Deutschland sind physisch sicherlich robuster. Die Spanierinnen sind zumeist klein und es wird weniger Krafttraining gemacht. Die Liga mit 16 Mannschaften ist hinter Barca und Real deutlich spannender als bei uns.

FiDo: Und wie war es speziell in San Sebastian?

Michaela Specht. Foto: Markus Friedel

Specht: Dort hat man viel ins Trainerteam und Spielerinnen investiert, nun muss der Verein noch die Strukturen ändern. Demnächst wird aber ein neues Gebäude für die Frauen gebaut.

FiDo: Haben Sie sich schnell wieder ins Hoffenheimer Team eingefunden?

Specht: Ja, für mich war es fast wie ein Nachhausekommen. Anfangs habe ich mich noch ein bisschen gefühlt als wäre ich nur zu Besuch, aber es war nicht schwer, hier wieder reinzukommen. Ich kenne viele Spielerinnen ja auch schon sehr lange.

FiDo: Das Stellungsspiel ist eine Ihrer herausragenden Fähigkeiten. Wie wichtig ist das fürs Team, das in der Vorrunde doch recht viele Treffer kassiert hat?

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Specht: Ich versuche, alle um mich herum besser zu machen, zu führen und auf dem Platz mit Körpersprache zu coachen. So sehe ich meine Rolle im Team. Die ersten beiden Ligaspiele gegen Duisburg und Köln haben wir zu Null gespielt und dabei sehr wenig zugelassen.

FiDo: Wie sieht es mit Ihren Nationalteamambitionen aus?

Specht: Das ist kein Ziel mehr für mich. Ich erfülle von den körperlichen Voraussetzungen nicht unbedingt die Kriterien als Innenverteidigerin. Bei der TSG profitiere ich sehr von der Spielphilosophie, sodass ich meine Stärken gut einbringen kann.

FiDo: Jetzt geht es im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Bayern. Wie sehen Sie die Chancen gegen ein Team, das erst vier Tore kassiert hat?

Specht: Die Favoritenrolle ist klar verteilt, aber wir wollen den Pokalfluch besiegen und weiterkommen. Wir müssen erst einmal das Tor sichern und ein frühes Gegentor vermeiden. Vorne sind wir immer in der Lage, Tore zu machen. Wir wissen aber, dass wir mit Bayern einen absoluten Top-Gegner zu Gast haben. Mit Tainara und Viggosdottir haben sie zwei hervorragende Innenverteidigerinnen. Allgemein ist München etwas defensiver orientiert als beispielsweise Wolfsburg. Auch die wenigen Gegentore in der Liga sprechen für die starke Defensive. Und über die Offensivqualität mit Spielerinnen wie Lea Schüller oder Klara Bühl muss man nicht reden. Lea ist sehr schnell und kopfballstark. Man muss sie früh stören, ihr auf den Füßen stehen, eklig spielen.

FiDo: In der Bundesliga möchte die TSG noch um Platz drei mitkämpfen. Wie sehen Sie die Ausgangslage?

Specht: Es ist eine schwierige Aufgabe. Letztes Jahr war es anders herum, da lag Frankfurt sechs Punkte zurück. Wir müssen unsere Hausaufgabenmachen und punkten. Dann ist es noch machbar. Diese Erfahrung in der Champions-League würde ich gerne noch einmal machen. Es ist ein ganz anderes Feeling als im Liga-Alltag. 

FiDo: Es gibt immer mehr Fernsehpräsenz im Frauenfußball, das wirkt sich aber auch auf Spieltage und Anstoßzeiten aus. Ist 20.30 Uhr ideal für die Fans?

Specht: Ich finde den Fernsehvertrag, auch die Montagsspiele absolut richtig. Man fordert immer mehr Professionalisierung, dann müssen die Angebote auch genutzt werden. Dienstagabend zu spielen, das erinnert mich an die Champions League.

FiDo: In Sachen Professionalisierung wird immer mehr gefordert, dass die Spielerinnen die Möglichkeit haben sollten, sich ganz auf Fußball zu konzentrieren. Wie ist das bei Ihnen?

Specht: Mein Studium Wirtschaftspsychologie läuft weiterhin. Derzeit plane ich meine Masterarbeit. Ein Studium ist neben dem Fußball möglich, ein Vollzeit-Job allerdings nicht mehr.

Michael Rappe

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