18. Dezember 2021

Gruppe um Katja Kraus versteht sich als Institution für alle, die „überzeugt sind, dass Fußball mehr kann“

In unserer aktuellen Ausgabe FiDo#18 (siehe unten) vom 14. Dezember haben wir über den Verzicht der Gruppe „Fußball kann mehr“ auf einen eigenen Präsidentschaftskandidaten berichtet. (Komplette Meldung)


Frankfurt/Main. (SID) Eine abgekartete Wahl, dazu Machtspielchen der Entscheider und keine echte Chance auf einen Wandel – mit diesen heftigen Vorwürfen hat sich die Frauen-Initiative vorerst aus dem Kräftemessen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) zurückgezogen. Im Kampf um den Chefposten im DFB verzichtet die Gruppe „Fußball kann mehr“ um Initiatorin Katja Kraus zunächst auf eine eigene Kandidatin – und schießt scharf in Richtung des Verbandes.

„In jedem Fall können wir in dieser Situation niemandem, der eine Aufgabe und Reputation hat, zu einer Kandidatur raten. Es muss schon die Möglichkeit geben zu gewinnen“, sagte Initiatorin Katja Kraus im Zeit-Interview. Es sei „keine wirkliche Wahl, da die Landesverbände mehr als 60 Prozent der Stimmen vereinen.“ Nationaltorhüterin Almuth Schult kritisierte gar, das Ergebnis sei „längst abgemacht“.

Erster Anwärter auf den Posten an der DFB-Spitze ist Mittelrhein-Boss Bernd Neuendorf, nachdem sich jüngst die Landesfürsten einstimmig für ihn ausgesprochen hatten. Der derzeitige Co-Interimspräsident Peter Peters geht bei der Wahl des Nachfolgers von Fritz Keller auf dem Bundestag am 11. März 2022 klar als Außenseiter ins Rennen.

Vom Aufgeben sei die Gruppe zwar „weit entfernt. Wir werden die Entwicklung beobachten und sind immer bereit, ein tolles Team aufzustellen“, sagte Schult: „In dieser Situation wollen wir allerdings niemanden verbrennen.“ Das Verfahren sei „intransparent. Und wer wählt überhaupt? Die Wahlmänner sind meist Abgesandte, denen gesagt wird, wie sie abzustimmen haben“.

Klar ist jedenfalls, dass Kraus und Co. weiter für einen Wandel und mehr Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Fußball kämpfen werden – allen Widerständen zum Trotz. Die Gruppe werde sich institutionalisieren, „um all denjenigen, die ebenso überzeugt sind, dass Fußball mehr kann, die Möglichkeit zu geben, zu partizipieren und ihr Engagement einzubringen“, hieß es in einer Erklärung.

Die „enorme Resonanz und all die Unterstützungsangebote haben dabei deutlich gemacht, wie viele Menschen der Wunsch nach Erneuerung im Fußball bewegt“, schrieb die .neunköpfige Gruppe, die im Mai erstmals ein Positionspapier veröffentlicht hatte. Allerdings habe die Initiative in dieser Zeit auch „Machtdemonstrationen und die Angst vor dem Kontrollverlust deutlich zu spüren bekommen“, sagte Kraus.

So etwa Bibiana Steinhaus-Webb. Die frühere Schiedsrichterin soll von Co-Interimsboss Rainer Koch derart unter Druck gesetzt worden sein, dass die DFB-Ethikkommission jüngst trotz der Einstellung des Verfahrens ein „unethisches Verhalten“ feststellte. „Es gab Situationen, die ich in einer so aufmerksamkeitsstarken deutschen Institution nicht für möglich gehalten hätte“, sagte Kraus ohne Nennung von Beispielen.

Es gebe „viele tolle Leute und wichtige Themen im DFB, doch deren Arbeit wird von den Machtkämpfen konterkariert“, kritisierte Schult, die sich eine weitere Spitze nicht verkneifen konnte: „Eigentlich müsste ich mich aufstellen lassen, denn als DFB-Präsidentin im sogenannten Ehrenamt würde ich mehr verdienen als jede aktive Fußballerin in Deutschland.“


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