1. August 2022

Ein Sieg für den Frauenfußball

Die Frauenfußball-EM in England war eine Veranstaltung der Rekorde. Zuschauerzahlen in den Stadien und vor den Fernsehern brachen alle Rekorde. Das Niveau dieser EM war sehr hoch, Tempo und Physis vieler Länder beeindruckten. Doch wird diese EM nachhaltig sein? Ein Kommentar von FiDo-Redakteur Michael Rappe

Mehr Einsatz erforderlich

Das Finale hielt zwar spielerisch nicht das, was man sich vorher hätte versprechen können, dafür ging es aber auch um zu viel. Die harte Gangart der Englänerinnen zeigte, wie sehr sie unter Druck standen und diesen Titel vor heimischem Publikum unbedingt wollten. Sie sind ein verdienter Europameister, weil sie in den Spielen davor tollen Fußball gezeigt haben, vor allem gegen Norwegen. Beth Mead ist zurecht Spielerin dieser EM und zusammen mit Alex Popp beste Torschützin (sechs Treffer). Ebenso verdient ist die Wahl von Lena Oberdorf als beste junge Spielerin. Auch Deutschland hätte diesen Titel verdient gehabt, mit ihren Leistungen hat das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg das ganze Land begeistert. Und mit ihrem Auftreten. Ehrliche Antworten bei Interviews, keine Platitüden, und der Humor kam nicht zu kurz – siehe Alexandra Popps Auftritt als „Alexander Bopp“.

Das Fehlen von Popp und von Klara Bühl war ein entscheidender Faktor des Finales. Ob es mit ihnen gewonnen worden wäre, bleibt Spekulation. Die UEFA muss sich Gedanken über das Niveau bei den Schiedsrichterinnen machen, und der VAR bleibt ein riesengroßes Ärgernis.

Was wird bleiben von dieser EM? Es wäre ein Fehler zu glauben, dass die Zuschauer nun in die Stadien strömen. In Leverkusen oder Duisburg wird es auch weiterhin dreistellige Zahlen geben. Die Verantwortlichen sind gefordert, die Marketing-Machinerie anzuwerfen, die Medien müssen den Umfang der Bundesliga-Berichterstattung deutlich erhöhen. Alle müssen mehr Einsatz zeigen. Und liebe Frauen und Mädchen aus den unteren Ligen: Wann geht ihr endlich mehr in die Stadien der 1. und 2. Bundesliga?

Lena Oberdorf hat das Zeug zu einem Star im deutschen Frauenfußball. Foto: Imago/Eibner

Dem DFB sei geraten, die Euphorie rund um die EM zu nutzen und zu vermarkten. Mit Spielen gegen Bulgarien oder die Türkei lockt man niemandem hinter dem Ofen her. Es muss zeitnahe eine EM-Revanche gegen England oder ein anderes Topteam wie Frankreich oder Spanien geben. In einem großen Stadion, zu vernünftiger Uhrzeit und mit Liveübertragung in ARD oder ZDF. Nur dann kann diese EM nachhaltig bleiben.

Michael Rappe

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